Liebe Leserinnen und Leser,

Ein Bild wie aus einem Urlaubsalbum: Ein Boot liegt ruhig am Ufer eines Sees. Nur ein paar sanfte Wellen schaukeln es hin und her. Es ist festgemacht und kann nicht wegtreiben.

Doch jenseits dieser Idylle kommen sich viele Menschen derzeit wie jenes Boot vor: Gebunden an das Haus und die unmittelbare Umgebung, kein gewohnter Weg zum Kindergarten, zur Schule, zur Arbeit, zum Training, in die Gemeinde oder zu einem Besuch. Doch sind wir gebunden, weil es die Nächstenliebe von uns fordert: Das Risiko minimieren, sich mit dem Corona-Virus gegenseitig anzustecken und Menschen zu schützen, deren Gesundheit instabil ist. Ärzte und Pflegepersonal sollen freie Hand haben, die akut Betroffenen gut zu versorgen. Etliche andere arbeiten hingegen weiter mit Hochdruck, damit unsere Versorgung mit Lebensmitteln, Energie, Medizin u.a. gesichert bleibt. Ihnen sei herzlich gedankt!

Wir werden demütiger in unserem sonst so selbstverständlichen Planen: Auch mich schmerzt es, Gottesdienste und Gemeindekreise abzusagen, Taufen und Konfirmationen zu verschieben. Es hängt doch allerhand dran!

Wie lange wird das eingeschränkte Leben andauern? Wann kann ich mit meinen Lieben aus nah und fern wieder zusammenkommen? Welche Feste können wir feiern? Werden wir unsere Toten auch gut verabschieden können? Welche wirtschaftlichen Folgen wird es bei uns und in anderen Ländern geben?

In unserem nervösen Fragen erinnert uns ein Bibelvers daran, alle Ungewissheiten in Gottes Hand zu legen. Wir sollen ihm vertrauen, dass er uns gut zu leiten weiß, wenn uns die Orientierung fehlt.

Das Osterfest wird uns daran bald wieder erinnern: Gott hat hier und jetzt, aber auch noch dann Wege für uns, wenn wir einmal gestorben sind. An Jesus von Nazareth wurde das den ersten Jüngern deutlich: Wir werden mit ihm zu neuem Leben auferstehen! Selbst unser Scheitern im Leben hindert Gott nicht daran, uns neue Wege zu zeigen:

Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn;
er wird´s wohlmachen.

 Psalm 37,5

Unsere momentane Bewegungsein-schränkung birgt auch eine Chance: Das Leben weniger in der Weite, sondern mehr in die Tiefe zu führen: Vertiefte Gespräche mit unseren Mitmenschen, entschleunigtes Leben, durchdachte Briefe und Nachrichten. Und ich schaue mich um, was ich jetzt uneingeschränkt genießen darf: Die Natur im Frühling, Bücher, die mich weiterbilden, Spiele und Puzzle, die lange ungenutzt blieben. Mitten im Gewühl des Alltags ist uns „von oben“ verordnet, einen Gang runterschalten. Welch neue Perspektive!

Sicherlich wird die „Corona-Krise“ noch weitere Einschnitte mit sich bringen und lange Nachwirkungen haben. Und die Ängste, die damit verbunden sind, wollen wir als Christen auch ernst nehmen. Aber nie brauchen wir die Hoffnung verlieren, weil Gott unsere Wege begleitet.

Ihre Pfarrerin Dorothea Schanz

Aktuelle Informationen aus dem Landeskirchenamt zum Umgang mit der Coronavirus Pandemie finden Sie hier auf der Seite der Landeskirche.
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Abendgebete mit Landesbischof Tobias Bilz

 

 

Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich.

(April 2020, 1.Kor 15,42 )