Liebe Leserinnen und Leser,

Haben Sie die Serie auch gesehen? Ob Rudolf Virchow, Emil Adolf von Behring, Paul Ehrlich, Robert Koch, Ferdinand Sauerbruch oder Ingeborg Rapoport: in den drei Staffeln der ARDProduktion „Charité“ werden die Zuschauer nicht nur unterhalten, sie werden in das Zeitgeschehen mit hinein genommen und lernen und leiden in den
Geschichten rund um das große Berliner Klinikum mit, das bis heute diesen Namen trägt. Der Blick richtet sich aber nicht nur auf die glänzenden Gestalten der Medizingeschichte und ihre Errungenschaften im Kampf gegen Krankheiten wie Tuberkulose oder Diphterie, auf bahnbrechende Entwicklungen im Bereich der Chirurgie, Frauen- und Kinderheilkunde, sondern nimmt auch all jene in den Blick, die am Krankenbett die vielen ungesehenen Tätigkeiten und Zuwendungen vollziehen: Diakonissen, Schwestern und „Hilfswärterinnen“ und Pfleger.


Die „Charité“ in Berlin hatte 1710 ihre Anfänge als Pesthaus, als einige wenige die Not der Erkrankten zu ihrer Aufgabe machten. Sie waren für die Kranken da,
gaben ihnen zu essen, pflegten sie und begleiteten sie auch im Sterben.
Seither sind in der Geschichte der „Charité“ viele Höhe-, aber auch Tiefpunkte zu verzeichnen, menschliche Glanzleistungen, aber auch Verfehlungen, die nicht verschwiegen werden sollen.

Fest steht aber: Ihre Wurzeln liegen in der Barmherzigkeit, die einer dem anderen zugutekommen lässt.
Denn das französische Wort „Charité“ meint nichts anderes als „Nächstenliebe“
oder auch „Barmherzigkeit“. Es leitet sich wiederum vom lateinischen „caritas“ ab und bezeichnet die Zuwendung eines Menschen zu einem anderen: freundlich, gütig, wohlwollend, nachsichtig, vergebend.
Um Beziehungen zu heilen, um gesellschaftliche Schieflagen gerade zu rücken, um Not und Nöten zu begegnen, bedarf es nicht immer chirurgischer Eingriffe, sondern der rechten Herzenshaltung. Daran erinnert uns Jesus in Lukas 6,36:


„Seid barmherzig,
wie auch euer Vater
barmherzig ist.“


In der Jahreslosung 2021 schwingt mit, dass wir nicht nur großzügig mit Barmherzigkeit sein sollen, sondern dass wir zuerst ihre Empfänger sind.
Denn wer wären wir ohne den liebenden Blick Gottes, der uns täglich versorgt
und unsere Klagerufe hört? Wie oft ist uns Gott schon geduldig und barmherzig begegnet, wo wir engstirnig und unbarmherzig mit anderen und uns selbst waren und wir Gott vergessen haben?
Hoffnung schenken, Frieden stiften, ein aufbauendes Wort aussprechen, eine
stille Wohltat tun, die den Dank nicht erwartet – Barmherzigkeit hat viele
Gesichter. In ihnen können wir Gottes Wirken sehen.


Es grüßt Sie herzlich
Ihre Pfarrerin Dorothea Schanz