Liebe Leserinnen und Leser,

drei Freundinnen schieben ihre Fahrräder den langgestreckten Berg hinauf. Auf dem Gepäckträger hat jede von ihnen eine kleine Tasche. In der Seite steckt die Haarbürste, im Handtuch eingewickelt der nasse Badeanzug, der zuhause auf die Wäscheleine kommen soll.

In aller Eile waren die Mädchen aus dem Freibad aufgebrochen, weil dunkle Wolken aufzogen. Fünf Kilometer sind es nach Hause und es war ein großer Badespaß: mit Freunden, mit Rutschen, sich gegenseitig ins Wasser schubsen, Taucherhasche und Pommes frites vom Imbiss.

Die Straße ist aufgeheizt von der prasselnden Sonne und die heiße Luft flimmert über ihr. Dann kommen, fett und schwer, die Regentropfen. Es werden immer mehr. Ein Gewitterguss geht nieder und nässt Straße, Felder, Bäume, Autos und die drei Freundinnen.

Die sind nun genauso durchnässt wie ihre Badeanzüge in der kleinen Tasche auf dem Gepäckträger und es schmatzt bei jedem Schritt in den dünnen Stoffschuhen, die dem Wasser von der Straße nichts entgegensetzen konnten.  

Aber statt Frust und Ärger schenken die Mädchen dem Regen ihr schönstes Lachen und schwingen sich wieder aufs Fahrrad. Was für ein neuer Duft liegt in der Luft! Der Staub von Straße und Bäumen ist gelöscht, der heiße Asphalt dampft, die Erde atmet die Schwere aus. Ein Regenbogen erscheint am Himmel.

Heute als Erwachsene bin ich froh und dankbar für jeden Regentropfen, den wir geschenkt bekommen und freue mich wie ein kleines Kind, wenn ich sehe, wie viel Wasser sich wieder in der Regentonne gesammelt hat. Kostbares Nass, das die Blumen, Nutzpflanzen und Sträucher im Garten brauchen, die Landwirtschaft und unsere Wälder sowieso, deren Tiefenspeicher von der Hitze der letzten Sommer noch Mangel haben.

Wie wird es wohl in diesem Sommer und in den nächsten Jahren werden?

Wird es ausreichend Feuchtigkeit geben? Ist die Hitze eine Episode oder deutet sich doch ein Klimawandel an? Wie gehen wir damit um?

In allen Fragen und auch in unserer Freude über Sonne und Regen leuchtet ein Regenbogen am Himmel, eine Himmelsbrücke, ein farbenfrohes Ereignis, das Bundeszeichen Gottes zwischen ihm und Noah und allen nachfolgenden Menschen und Tieren: Habt keine Angst, ich bin bei euch! Und Gott legt in seinen Bund ein Versprechen, auf das ich mich verlassen möchte:

Solange die Erde steht, soll nicht aufhören
Saat und Ernte,
Frost und Hitze,
Sommer und Winter,
Tag und Nacht.

 1 Buch Mose 8,22

 

Ich wünsche uns allen eine gesegnete Sommerzeit voll Freude und Dankbarkeit, Wachsen und Reifen.

 

Es grüßt Sie herzlich

Ihre Pfarrerin Dorothea Schanz

Wir freuen uns, dass wir in unseren Gemeinden wieder Gottesdienste feiern können. Aktuelle Informationen aus dem Landeskirchenamt zum Umgang mit der Coronavirus Pandemie finden Sie hier auf der Seite der Landeskirche.

 

 

Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder.
(Juni 2020, 1.Kön 8,39 )