Liebe Leserinnen und Leser,

eine Hochzeit – wie schön! Ein Brautpaar – so glücklich! Wenn ein Brautpaar aus dem Standesamt oder der Kirche tritt, sehen wir gern hin. Wir wünschen den Vermählten viel Glück und eine blühende Liebe.Hochzeit, das Wort bringt zum Ausdruck, dass sich ein Paar in der Hoch-Zeit seines Lebens befindet. Alles ist neu und aufregend, der graue Schleier des Alltags ist noch weit weg, der Zauber des Anfangs steht noch über dem Hochzeitstag.

Unsere Vorstellungen von Beziehung, Hochzeit und Ehe sind sehr von der Romantik geprägt. Der Ehebund sollte auf Liebe und Leidenschaft gegründet sein und ganzheitliche Erfüllung bringen. Auch viele Paare heute leben aus dieser Vorstellung ihre Beziehung und sind irritiert, wenn die Leidenschaft weicht und ihre Liebe sich eine Zeitlang zurückzieht.

Dabei war früher der Grund eine Ehe zu schließen weniger davon geleitet, dass die Partner Gefallen aneinander hatten. Ehenwaren oft arrangiert und wurden vielfach aus Vernunftgründen geschlossen; es ging um wirtschaftliche Absicherung, sozialen Frieden innerhalb der Stände und natürlich auch darum, eine Familie zu gründen, die sich gegenseitig unterstützt. Eine Ehe ausschließlich auf Emotionen zu gründen, schien kein tragfähiges Grundgerüst zu sein. Vor allem aber ging es darum, Gemeinschaft im Sinne des Schöpfers zu begründen:
„Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei…“, so heißt es in der Bibel.

Selbst Martin Luther ging seine Ehe mitKatharina von Bora „um seines Vaters
willen, um seines Gewissens willen und wider Teufel und Papst“ ein, wie er
sinngemäß schreibt. Seine Vermählung war auch eine Art der Demonstration der Reformation: Ein ehemaliger Mönch heiratet eine entlaufene Nonne!

Jedoch fanden beide Eheleute im Laufe der Jahre gut zusammen und teilten nicht nur Tisch und Bett miteinander, sondern auch Freude, Sorgen und Leid. Luther soll zu seiner Käthe gesagt haben:

„Weil wir nun einmal beieinander sind, darum wollen wir uns nun auch recht liebhaben.“

In den zärtlichen Briefen, die der Reformator an seine Frau schreibt, kann
man ablesen, wie die Liebe unter ihnen im Laufe der Jahre gewachsen war, die in ihrem gemeinsamen Glauben gründete und auf die Kraft der Liebe setzte.
Unser Kirchspiel Muldental, das sich zum 1.1.2021 gründete, war keine romantische Liebesheirat, sondern wurde aus Vernunftgründen geschlossen. In drei Regionen wollen wir fortan verstärkt zusammenarbeiten: Grimma, Naunhof und Colditz. Vielleicht, so meine Hoffnung, können wir es mit Luthers obig
abgedruckten Worten halten. Wo unser „Ja“ steht, kann mit Gottes Hilfe noch viel Gutes wachsen; geschwisterliche Liebe und gegenseitige Hilfe auf dem
Fundament gemeinsamen Glaubens.

Geschwisterlich grüßt,
Ihre Pfrn. Dorothea Schanz