Liebe Leserinnen und Leser,


ob im eigenen Garten hinterm Haus, in der Parzelle der Kleingärtner oder beim Besuch auf der Landesgartenschau in Torgau: Es duftet nach Maiglöckchen und Flieder, Jasmin und Rose, Lindenblüte und Lavendel. Nach Regen dampft und duftet die Erde feucht. Diese Düfte kann man immer nur für eine kurze Zeit genießen und sich an ihnen berauschen. Sie sind ein Geschenk des Himmels, das keine App berechnen und versenden und auch keine chemische Industrie so einfangen kann wie es in der Natur vorkommt. Man muss es einfach erleben und sich dessen bewusst machen.


Geh aus, mein Herz,
und suche Freud
in dieser lieben Sommerzeit
an deines Gottes Gaben;
schau an der schönen Gärten Zier
und siehe, wie sie mir und dir
sich ausgeschmücket haben…


Als der Pfarrer und Dichter Paul Gerhardt 1653 diese und viele weitere Strophen dichtete, hat er in der Schönheit der Natur und in den Gärten auftanken und Gottes Güte erkennen können. Dabei hat er im Laufe seines Lebens viel Leid ertragen und schwere Zeiten durchstehen müssen, in denen ihm die Lebenslust und Freude hätte verloren gehen können. Der 1607 geborene Gerhardt hatte bereits als 14- Jähriger Vater und Mutter verloren, mit drei Geschwistern blieb er allein zurück.
Während die Schwestern bei Verwandten untergebracht wurden, besuchten Paul und sein Bruder ab 1622 die Fürstenschule in Grimma, in der mittlerweile zwar ein evangelischer, aber auch ein strenger Geist wehte. Hier erreichte die Schüler 1627 auch ein unheimlicher Gast: die Pest. Aus seiner Studentenzeit in Wittenberg wissen wir nicht viel. 

Später aber wird er Leid und Not durch den Dreißigjährigen Krieg gesehen haben, der auch seine Geburtsstadt Gräfenhainichen mit Feuer und Tod überzog und Hunger und Seuchen unter die Bevölkerung Europas brachte. Auch später noch – er war längst Pfarrer geworden und ein begnadeter Lieddichter, sah er nur eines seiner fünf Kinder erwachsen werden. Die konfessionellen Spannungen unter Kurfürst Friedrich Wilhelm werden ihm in seiner Berliner Zeit sicherlich auch arg zugesetzt haben.

Dennoch können wir nur staunen, wie stark ihn sein Gottvertrauen gerade in den schweren Zeiten seines Lebens getragen hat. Allein seine 26 im Evangelischen Gesangbuch vertretenen Lieder stärken noch heute viele Menschen in ihrem Glauben, in ihrer Hoffnung auf Jesus und zeigen auf, wofür wir auch dankbar sein können und woraus wir Kraft schöpfen:
Besonders das Lied „Geh aus, mein Herz“ lädt ein, hinzuschauen, hinzuhören, zu riechen und zu schmecken, was der Schöpfer uns in der Natur gibt. Was ist in den Gärten nicht alles zu erleben? Bäume voller Laub, Vögel, die ihre Jungtiere füttern, Bienen, die in Bäumen summen, Pflanzensetzlinge, die wachsen und reifen.
Die Fülle an Beispielen kleidet Gerhardt in ein poetisches Gewand.
Lassen auch Sie sich Ihr Herz erwärmen bei einem Rundgang durch den
sommerlichen Garten oder bei einer der vielen Strophen von „Geh aus, mein Herz“, wie dieser:


„Hilf mir und segne meinen Geist mit Segen, der vom Himmel fleußt,
dass ich dir stetig blühe; gib, dass der Sommer deiner Gnad in meiner Seele früh und spat, viel Glaubensfrüchte ziehe…“

Es grüßt Sie herzlich,
Ihre Pfarrerin Dorothea Schanz