Unser Glaube

Liebe Leserinnen und Leser,

 

im Religionsunterricht fragt der Lehrer die Klasse: „Wird bei Euch zuhause vor dem Essen auch gebetet?“ Darauf antwortet die kleine Susi: „Nein, das ist bei uns zum Glück nicht nötig – meine Mutter kocht ganz gut.“

Dieser Witz bringt mich immer wieder zum Schmunzeln, denn wir wissen ja:
Beten ist nicht nötig, damit das Essen schmeckt, sondern weil es schmeckt und uns ernährt.

Vielleicht ist Ihnen das Kindergebet, das auf der Titelseite abgedruckt ist, längst bekannt. Ich finde es nach wie vor schön, weil es den Dank aller Geschöpfe mit einschließt. Um uns herum wächst und gedeiht Leben. Für jedes ist gesorgt.

Während ich diese Zeilen schreibe, ist die Ernte auf den Feldern im Gange. Spätabends, wenn der Tageslärm verklungen ist, höre ich sie manchmal noch: die Mähdrescher und Traktoren.

Das Getreide wird geerntet, das uns ein Hauptnahrungsmittel ist und Grundstoff gibt für Brot, Brötchen oder Kuchen. Wenn die Erntemaschinen abgezogen sind, freut es sogar noch die Feld- und Waldtiere, die sich hier und da das Liegengebliebene holen. Die Raubvögel wiederum leben von den kleinen Tieren und ernähren sich und ihre Jungen. Alles Leben ist fein aufeinander abgestimmt und ist Teil eines natürlichen Kreislaufs.

Wir freuen uns über die Früchte unseres Gartens und der Felder und danken Gott für alle Gaben. So gerät das Zusammenspiel der Natur unvermittelt mit in den Blick.

Zum Erntedankfest danken wir Gott ausdrücklich. Wir können es aber auch tun, wenn wir uns an den Tisch setzen. Mal gesprochen, mal gesungen, gemeinsam oder in einem stillen Gedanken.  

Gebet ist ein Aufschwung des Herzens, ein schlichter Blick zum Himmel, ein Ausruf der Dankbarkeit und Liebe inmitten der Prüfung und inmitten der Freude.                  

Therese von Lisieux

Es tut gut zu danken, weil uns dadurch die Liebe Gottes noch tiefer bewusst wird. Es ist das Einüben im Glauben. Denn Gottes Tun ist es nicht allein, uns in schweren Zeiten beizustehen, son-dern er wirkt in den für uns so alltäg-lichen Dingen, die uns geschenkt sind und uns gut tun.  

Im Beten öffnen wir uns für Gott und die Mitgeschöpfe um uns. Es macht uns offen, für das „Mehr“ im Leben und es bestärkt uns als Gemeinschaft.

Es grüßt Sie herzlich, 
Ihre Pfarrerin Dorothea Schanz

 

Die Losung von heute

Sein Zorn währet einen Augenblick und lebenslang seine Gnade. Den Abend lang währet das Weinen, aber des Morgens ist Freude.

Psalm 30,6

Aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es.

Epheser 2,8

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