Liebe Leserinnen und Leser,

ein Strauß frischer Tulpen, ein Baby, das nach dem Stillen auf dem Arm seiner Mutter eingeschlafen ist, eine Katze, die im Sessel liegt und schnurrt – Das alles sind Bilder des Friedens. Sie tun uns wohl. Sie stärken Körper, Geist und Seele. Im Alltag vergesse ich oft, mir diese Bilder vor Augen zu halten: Wir dürfen Frieden erleben. Gott sei Dank!

Das Wort für Frieden klingt in vielen Sprachen ähnlich. Nachbarn haben es sich schon vor langer Zeit nachbar-schaftlich geteilt: Im Hebräischen heißt er „Schalom“; im Arabischen „Salam“. In Westafrika kennt man „Salamu“. In Italien sagt man „pace“, in Frankreich „paix“, in den englischsprachigen Ländern „peace“. Der Bosnier sagt „Mir“, der Kroate auch. Die Menschen Osteuropas verstehen sie auf jeden Fall.

Frieden ist nicht nur ein Wort. Frieden kann man fühlen. Frieden kann man erleben auch ohne überhaupt das Wort dafür zu kennen. Frieden ereignet sich, wo Menschen im Frieden mit sich selber sind – zufrieden.

„Suche Frieden und jage ihm nach.“

Das ist die biblische Jahreslosung für 2019. „Schalom“ ist der Inbegriff von Menschlichkeit. Wo dieser Frieden ist, gibt es nicht nur keine Gewalt, sondern jeder findet seinen Platz zum Leben, sein Auskommen an Nahrung und Trinken. Da ist intakte Beziehung zu Gott und Mitmensch.

Friede ist nicht einfach da. Er muss gesucht, ihm muss nachgejagt werden. Unter Umständen braucht es dafür Mut und die Überwindung, Gleiches mit Gleichem vergelten zu wollen.

In der Bibel wird von David erzählt. (1. Samuel 24) Er musste vor König Saul fliehen. Er versteckte sich in einer dunklen Höhle. Als Saul hinein kommt, übt der Jüngere nicht Rache, sondern verschonte Sauls Leben, obwohl er anders hätte handeln können.

Warum lesen und hören wir solche Geschichten nicht viel öfter in den Zeitungen, in den Nachrichten? Die Geschichten des Friedens müssen ge-sucht, weitergesagt und aufgeschrieben werden, denn sie bauen uns auf, geben Inspiration und treiben uns an, es nachzutun. Auch wenn die Berichte von Krieg und Gewalt in die Welt brüllen – die leisen Töne des Friedens überwiegen.

Dona nobis pacem.

Gib uns den Frieden.

EG 435

Als Christen schauen wir auf Jesus. Den Kranken hat er „Schalom“ gebracht, dem Zöllner, der schon alles hatte, nur nicht Frieden in sich – auch ihm. Jesus hat auch die Kinder etwas von dem größeren Frieden Gottes spüren lassen, Frauen, Männer, Alte – Friedvolle wie Friedlose. Jesus lebte ihn konsequent, standhaft, hingebungsvoll – bis zum Tod am Kreuz. „Wo ist da der Frieden?“, fragen manche. Wir können ihn nicht sehen. Nicht auf den ersten Blick.

Wer aber der Kraft der Auferstehung vertraut, wer Gott Glauben schenken kann, spürt tief in sich: Der „Schalom Gottes“ setzt sich durch und macht heil, was verletzt war – in diesem Leben und in dem, das noch kommt.

Schalom!

Ihre Pfrn. Dorothea Schanz

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