Liebe Leserinnen und Leser,

der Streit zwischen Naturwissenschaft und der Religion ist alt. Im Laufe der Jahrhunderte hat man unversöhnlich immer wieder über die absolute Wahrheit gestritten und dem anderen den Verstand abgesprochen. Da haben sich Naturwissenschaftler und Kirchenvertreter leider nicht viel geschenkt.

In meinen Augen muss das nicht mehr so sein. Naturwissenschaftliches Denken und Glauben an Gott können wunderbar zusammen gehen und müssen sich nicht gegenseitig ausschließen.

 

Ich kann mich begeistern für Weltraumforschung. Über den Urknall und die Evolution des Lebens sinne ich nach und kann zugleich den Worten der Bibel meinen Glauben schenken.

Wie das geht? Zunächst einmal begreife ich, der Mensch ist ein denkendes und forschendes Wesen. Er ist imstande, in Gedanken in die Vergangenheit zu schauen und Spuren zu suchen und zugleich kann er Gedanken in die Zukunft schweifen lassen und aus den gewonnenen Erkenntnissen Schlussfolgerungen ziehen. Dabei stellen wir fest: Es gab Leben schon vor uns und es wird auch nach uns noch Leben geben. Wir sind ein Teil der Menschheits- und Weltgeschichte.

Woraus besteht die Welt?

Wie funktioniert die Welt?

Ein Astronom, ein Physiker oder Biologe auf der einen und ein Theologe auf der anderen Seite stellen nur unterschiedliche Fragen, obwohl sie auf dasselbe schauen.
Ein Naturwissenschaftler ergründet die materiellen Zusammenhänge und Prozesse der Welt.

Ein Mensch, der die Bibel liest, wird keine chemischen Formeln, keine Quanten- oder andere Physik in ihr finden, da muss er schon zum Chemie- oder Physikbuch greifen. Aber schon in den ersten Worten der Bibel – in den beiden Schöpfungserzählungen – findet er, was er über Formeln hinaus sucht: Beziehungen.

Von Gott zu uns.

Von Mensch zu Mensch.

In den alten Schriften, dem 7-Tage-Schöpfungshymnus der Bibel z.B., lesen wir, dass alles an und in der Welt einen Sinn durch Gott bekommen hat und alles Leben fein aufeinander abgestimmt ist.

Wer hat die Welt erschaffen?

Warum existiert sie?

Der Glaubende fragt nach immateriellen Zusammenhängen; nach der Bestimmung seiner Existenz und beschäftigt sich damit, ob es neben der „greifbaren“ Welt auch noch andere Parameter der Orientierung gibt: Glaube, Hoffnung, Liebe.

Und plötzlich bewegen sich zwei vermeintlich unversöhnliche Lager aufeinander zu: Der Kosmonaut fängt an zu philosophieren über die Macht der Gedanken, die Kraft der Liebe, wird vielleicht auch die Frage nach einem Leben nach dem Tod zulassen. Und der Hirnforscher bringt seinen Dank zum Ausdruck für all die wissenschaftlichen Möglichkeiten, die heute dem Menschen helfen können. Das ist doch spannend!

Ihre Pfrn. Dorothea Schanz

Menü schließen