Liebe Leserinnen und Leser,

 

was unsere Ohren nicht alles hören: das Gluckern der Kaffeemaschine am Morgen, den Verkehr der Hauptstraße, dumpfe Bässe aus tiefergelegten Autos, Corona-Nachrichten, die sich stündlich erneuern und noch dazu viele Belanglosigkeiten im Fernsehen und Internet. 

 

Aber sie dürfen in diesen Tagen auch wieder die unzähligen Vogelstimmen hören, die vom Leben singen: Etwa 80 Minuten vor Sonnenaufgang beginnt das Gartenrotschwänzchen seinen Gesang, ihm folgt kurze Zeit darauf sein Verwandter, das Hausrotschwänzchen. Dann legen die Rauchschwalbe und Singdrossel los. Die Amsel stimmt eine dreiviertel Stunde vor Sonnenaufgang in das Konzert ein, gefolgt vom royalen Gesangskünstler – dem Zaunkönig, dem Zilpzalp und den Meisen. Der Star – der Name ist hier Programm – schont seine Stimme mit am längsten, weiß sich dann allerdings auch klanglich in Szene zu setzen. Ganz zu schweigen von den vielen kleinen anderen gefiederten Freunden, die ihren Kehlen die schönsten Töne entlocken.

Es singt, zwitschert, pfeift, piepst, flötet, tschilpt und musiziert vor sich hin, dass es eine wahre Wonne ist – nicht nur in den Ohren der Ornithologen!

Jedes Jahr im Frühjahr singen die Vögel von der Auferstehung ins neue Leben und ich frage mich: Wenn schon die kleinen Geschöpfe so herzerfrischend die Lebensbotschaft weitergeben, wie muss wohl dann erst das Lied des Lebens im Himmel klingen? 

 

 

Auferstehen…

… vom Winter

… von Leid und Krankheit

… von den täglichen Sorgen und Plagen

… von Schuld und Versagen

… von Hoffnungslosigkeit

… vom Tod.

 

Das ist die tiefe Gewissheit, die sich uns mit der Geschichte des Jesus von Nazareth eingepflanzt hat. Der leidende und sterbende Mensch Jesus wird von Gott ins Leben gerufen, das ewig und verwandelt ist. Wer sein Leben mit Jesus teilt und seine Nähe sucht, wird auch nicht enttäuscht werden: Das neue Leben wird in ihm aufflammen: Der Osterruf: Herr ist auferstanden!, wird dann auch zu meiner Rettungsbotschaft.

 

So stimmen wir mit ein in den großen Gesang. Jeder auf seine Weise:  mit einem Osterlied zu Hause, einem Orgelstück in der Kirche, einer Gitarrenweise, summend oder pfeifend: Nichts wird so bleiben wie es ist. Gott wandelt unser Leben.

 

In Jesus Christus hat Gott seine Auferstehungskraft gezeigt, warum nicht auch dir und mir?

 

Und auch wenn wir noch nicht wieder den vollen Gemeindegesang im Gottesdienst aufleben lassen dürfen, wissen wir: Die Schöpfung singt das Lied der Auferstehung für uns mit und lobt dadurch seinen Schöpfer. 

 

Eine gesegnete Osterzeit wünscht Ihnen Ihre Pfarrerin Dorothea Schanz