Liebe Leserinnen und Leser,

Ansichtssache

Wie betrachten Sie sich im Spiegel? Liegt Zufriedenheit in Ihrem Blick oder schauen Sie zerknirscht, weil Sie sich nicht betrachten mögen? Nicht jeder Mensch ist mit seinem Antlitz zufrieden. Doch ist nicht dieser selbstkritische Blick oft überzogen? Kann ich mich nicht auch mit meinem älter gewordenen Gesicht anfreunden? Werde ich lernen, die Fältchen und die Kurven meines Körpers anzunehmen, der eben nicht Modelmaßen entspricht, sondern mein Körper mit seiner Geschichte ist?   

Wir brauchen einen liebevollen Blick auf uns selbst, damit wir uns annehmen wie wir sind. Nicht ohne Grund erinnert uns Jesus an das alte Gebot: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!

So strahlt in die äußere Schönheit die innere hinein.  

Einander ansehen

Der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber stellte in seinem 1923 erschienenen Buch „Ich und Du“ dar, dass jeder Mensch sich erst als ein „Ich“ verstehen kann, wenn er in Beziehung zu einem Gegenüber getreten ist. Menschen sind auf das Zwiegespräch angewiesen um ihrer Selbst willen und um eine Ahnung zu bekommen vom „ewigen Du“. Buber schreibt: „Die verlängerten Linien der Beziehungen schneiden sich im ewigen Du“.

Wenn wir einander ansehen und in Kontakt treten, kann das „Göttliche“ sich ereignen. 

Ansehen gewinnen

Ein Kernwort der Seelsorge heißt: „Jeder Mensch möchte geliebt und angesehen werden.“ Viele Menschen tun alles, damit ihr Ansehen steigt und sie wahrgenommen werden.

Martin Luther rang auch um Ansehen, jedoch nicht vor den Menschen, sondern vor Gott. Er tat als Mönch alles dafür, dass Gottes Auge gnädig und nicht zürnend auf ihn fiel. Es brauchte seine Zeit und die Entdeckung aus der Bibel, dass es Gottes Gnade ist, die uns aus dem Hamsterrad des ewigen Kampfes um Ansehen befreit: Wir sind um Christi willen vor Gott angesehene Geschöpfe. Dieser Befreiungsschlag wird jährlich zum Reformationstag, am 31. Oktober in unseren Kirchen gefeiert.

Gott sieht uns an

 Gott sieht uns als ganze Menschen und nicht nur das äußere Bild. Er sieht, wo es in uns dunkel ist und wo es Vergebung braucht. Dem dürfen wir uns stellen. Sein Wort ist da. Sein Angebot ist ausgesprochen: „Kommt alle, die ihr mühselig und beladen seid!“

In Beichte und Gebet kann ich Gott das Dunkle meines Herzens vor die Füße legen, in Lossprechung, Abendmahl und Segen seine Gnade an mir wirken lassen. Ich darf ein freier Mensch sein und doch gebunden an Gottes großes Liebe, die mich hält. Die Gottesdienste im Herbst, am Ende des Kirchenjahres, laden ein, von außen nach innen zu schauen, sich ansehen und neu bestärken zu lassen.

Es grüßt Sie herzlich,

Ihre Pfarrerin Dorothea Schanz

 

 

Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum HERRN;
denn wenn’s ihr wohlgeht, so geht’s euch auch wohl.
(Oktober 2020, Jer 29,7)

Aktuelles:

Flötenkreis in Planung

 Wer hätte Interesse, das Flötespielen (C-Dur Blockflöte) zu erlernen? Kinder zwischen 5- ca. 12 Jahre sind dabei besonders herzlich angesprochen.

Voraussetzungen:

  • eine eigene Blockflöte, barocke Griffweise (für Anfänger eignet sich auch eine aus Plastik – sie ist abwaschbar)
  • Anschaffung des Lehrmaterials „Flötenzirkus“
  • ein eigener Notenständer
  • Geduld bei Erlernen und Motivation zum Üben
  • die Bereitschaft, regelmäßig zu kommen, um gemeinsam im Spiel voran zu kommen

Damit wir den Bedarf abschätzen können, bitte Rückmeldung bis zum 16. November an Frau Fritzsch, Pfrn. Schanz oder das Pfarramt Großbothen. Geplant wären wöchentliche bzw. 14tägige Übungsstunden am Nachmittag ca. 45 Minuten, in denen es zum Abschluss eine auch eine Geschichte, ein Lied oder ein Spiel gibt. Je nach Rückmeldestand wird der „Austragungsort“ geplant. Start voraussichtlich Januar 2021.

Wir freuen uns, dass wir in unseren Gemeinden wieder Gottesdienste feiern können. Aktuelle Informationen aus dem Landeskirchenamt zum Umgang mit der Coronavirus Pandemie finden Sie hier auf der Seite der Landeskirche.